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"Erbsen-Challenge" suggeriert Risiko der Überdosierung So schürt Dr. Wolffs Werbung Angst vor Fluorid

 

 

Experten kritisieren die "Erbsen-Challenge" von Dr. Kurt Wolff im neuen TV-Spot zu "Kinder Karex": Die Werbung suggeriere, dass Kinder alleine die Zahnpasta nicht richtig dosieren können und daher das Risiko einer Fluorid-Überdosierung verursacht durch unpräzises Auftragen besteht.


Aufgrund hoher Kariesraten hatten sich die zahnärztlichen Fachgesellschaften Ende 2018 auf eine Erhöhung des Fluoridanteils in Kinderzahnpasten von 500 auf 1.000 ppm geeinigt – bis zwei Jahre in Reiskorngröße, von zwei bis sechs Jahren in Erbsengröße.

"Aber erzählen Sie das mal Ihren Kindern!"


In seinem neuen TV-Spot "Erbsen-Challenge" für Kinder Karex stellt Hersteller Dr. Wolff nun infrage, dass Kinder im Stande sind, selber diese Dosierungsvorgaben beim Zähneputzen einzuhalten: "Wussten Sie, dass Kinderzahnpasta mit Fluorid nur erbsengroß auf die Zahnbürste soll? Aber erzählen Sie das mal Ihren Kindern!" Mit einer Zahnpasta, die wie Kinder Karex Hydroxylapatit - "BioHAP" - anstelle von Fluorid enthält, sei es jedoch egal, wie viel Zahnpasta das Kind verwende: "Deshalb haben wir eine Zahnpasta entwickelt, bei der selbst Verschlucken kein Problem ist."


Der Spot trägt zur Verunsicherung der Eltern bei


Diese Aussagen rügen nun der wissenschaftliche Beirat der Informationsstelle für Kariesprophylaxe (IfK) und die Deutsche Gesellschaft für Präventivzahnmedizin (dgpzm): Die Werbung trage zur Verunsicherung der Eltern bei, denn die „Erbsen-Challenge“ solle zeigen, dass Kinder alleine nicht in der Lage seien, Zahnpasta richtig zu dosieren. "Das legt ein mögliches Risiko einer Überdosierung von Fluorid verursacht durch unpräzises Auftragen nahe."

Die Werbung kann Angst vor Fluorid schüren


„Zum einen werden die offiziellen Empfehlungen der Fachgesellschaften ignoriert, zum anderen ist der Werbespot geeignet, Angst vor Fluorid zu schüren und so die Eltern zu verunsichern“, betont dgpzm-Präsident und IfK-Sprecher Prof. Dr. Stefan Zimmer, Lehrstuhlinhaber für Zahnerhaltung und Präventive Zahnmedizin an der Universität Witten/Herdecke.


Zimmer führt aus: „Wir wissen heute, wie wichtig Fluoride zur Kariesvorbeugung sind, die Wirksamkeit ist in über 300 internationalen klinischen Studien sehr gut belegt. Für Hydroxylapatit konnte dies bisher nicht in vergleichbarem Maße gezeigt werden. Vom Gebrauch der Zahnpasten, die lediglich Hydroxylapatit und kein Fluorid zur Kariesprophylaxe enthalten, raten wir daher ab.“

Bei richtiger Anwendung besteht kein Risiko


Unabhängig davon, welche Inhaltsstoffe in einer Zahnpasta enthalten sind, sollten Eltern die Dosierung Kindern unter sechs Jahren nicht selbst überlassen. Über 300.000 Untersuchungen belegen demnach, dass von Fluoriden bei korrekter Anwendung kein gesundheitliches Risiko ausgeht. Bei einer längerfristigen Überdosierung bestehe bei Kindern unter sechs Jahren allenfalls das Risiko einer Fluorose. Überdosierungen sollten dennoch vermieden werden.

Mangelnde Belege hinsichtlich Hydroxylapatit


Hydroxylapatit ist ein Mineral, das auch in unseren Zähnen vorkommt. Künstlich hergestellt soll es den natürlichen Zahnschmelz imitieren, bei der Remineralisierung unterstützen, das Anheften von Plaque an die Zahnoberfläche erschweren und so vor Karies schützen. Allerdings gibt es nur wenig Evidenz zur kariespräventiven Wirkung von Hydroxylapatit. Eine neue Ein-Jahres-Studie mit Drei- bis Siebenjährigen zeigt, dass die Kinder-Karex einer Kinderzahnpasta mit 500 ppm nicht unterlegen ist. Metaanalysen belegen für eine Zahnpasta mit nur 500 ppm Fluorid jedoch keine signifikante Wirksamkeit in der Kariesprävention bei Kindern. Daher empfehlen Fachgesellschaften die Erhöhung auf 1.000 ppm Fluorid. Des Weiteren legt beispielsweise eine neue In-vitro-Studie aus der Schweiz, nahe, dass Zahnpasten ohne Fluorid – egal, ob sie Nanohydroxylapatit enthalten oder nicht – keine demineralisationshemmende Wirkung aufweisen. Im Gegensatz dazu ließ sich der Effekt der Kariesprävention bei Zahnpasten mit Fluorid feststellen.


Aus der Stellungnahme der Informationsstelle für Kariesprophylaxe (IfK) und der Deutschen Gesellschaft für Präventivzahnmedizin (dgpzm)

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